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Bayerischer Oberster Rechnungshof:

Förderung der Holzbauweise - "Ziel verfehlt"

Kontrollorgan erteilt vermeintlichen Kostenvorteilen der Holzsystembauweise klare Absage / Im Vergleich zur konventionellen Massivbauweise: reduzierte Bauwerks-kosten nur durch Verzicht auf Keller / Aber: nicht frostsichere Kellerersatzräume lediglich als Notbehelf - auf teuren Grundstücken nicht vertretbar / Ziegelforum fordert mehr fachliche Information

Der vielerorts bei Architekten und Bauherren vorherrschenden Auffassung, die Holzsystembauweise sei preisgünstiger als konventionelle Massivbauweise, erteilte der Bayerische Oberste Rechnungshof (BORH) jetzt eine klare Absage. Im Jahresbericht 1999 stellte die Kontrollbehörde fest, dass sich "beim experimentellen Wohnungsbau in Holzsystem-bauweise die erwarteten Kosteneinsparungen als begrenzt erwiesen haben". Der Oberste Rechnungshof forderte daher die Bayerische Landesregierung auf, die Förderung des Programms "Mietwohnungen in Holzsystembauweise grundlegend zu überdenken und zielsicherer zu gestalten". Ein Postulat, dem auch das Ziegelforum e.V. München, zustimmt. "Das von der Obersten Baubehörde angestrebte und in der öffentlichen Meinungsbildung forcierte Ziel, mit modernen Leichtbaukonzepten im Wettbewerb zur konventionellen Massivbauweise kostengünstiger bauen zu können, wurde offenbar nicht erreicht".

Wie der Jahresbericht des BORH ausweist, erfolgten - vordergründige - Einsparungen bei den reinen Bauwerkskosten vor allem durch Verzicht auf Unterkellerung. So wurden bei den meisten Vorhaben statt des Kellers einfache, oberirdische, nicht frostsichere Abstellschuppen errichtet. Gleichzeitig stellte der BORH im Vergleich zum konventionellen Massivbau bei der Holzsystembauweise deutlich höhere Erschließungs- und Mehrkosten für die Außenanlagen fest. Die Vorgaben, die Bauwerkskosten auf 1.800 DM je Quadratmeter Wohnfläche zu beschränken, seien verfehlt. Der Bayerische Oberste Rechnungshof resümiert: "Für die bewerteten Mietwohnungen in Holzsystembauweise ergeben sich somit inklusive Erschließung und Außenanlagen Kosten in Höhe von 2.221 DM/m2". Diese lägen nur noch um rund 200 DM unter dem entsprechenden Betrag des konventionellen Massivbaus - dieser allerdings mit Keller. Damit sei belegt, so das Ziegelforum, "dass die Massivbauweise im Vergleich zur Holzsystembauweise nachweislich besser abschneidet und im Endeffekt günstiger ist".

Die Untersuchungen ergaben zudem, dass der durchschnittliche Anteil der Fördermittel je Quadratmeter Wohnfläche bei Vorhaben in Holzbauweise deutlich höher lag als bei Mauerwerksbauten. Auch hier konnte die ursprüngliche Absicht, durch Förderung der Holzsystembauweise öffentliche Fördermittel einzusparen, nicht erreicht werden. Als Grund nennt der Oberste Rechnungshof, dass Holzbausysteme auf einem festen und relativ starren Raster beruhen, bei dem die den Förderrichtlinien entsprechenden Wohnflächen überschritten wurden. Allein hierdurch entstand ein zusätzlicher Bedarf an Fördermitteln von etwa 10 %.

Entsprechend folgert die Kontrollbehörde, dass einer Kostenreduzierung bei gleichzeitiger Beibehaltung angemessener Wohnqualität Grenzen gesetzt sind. Wie der Bayerische Oberste Rechnungshof ausführt, seien Kellerersatzräume anstelle von Unterkellerungen "jedoch nur als Notbehelf anzusehen. Nicht vertretbar sind Kellerersatzräume auf teuren Grundstücken, da die Grundstücksmehrflächen für solche Räume teurer sind als eine Unterkellerung". Gerade beim experimentellen Wohnungsbau sollte als Ziel auch flächensparendes Bauen erwartet werden. Nach Meinung des Ziegelforums werde damit allerdings "der vermeintliche Preisvorteil der Holzsystembauweise endgültig eliminiert".

Nach Auffassung von RA Manfred D. Zehe, Geschäftsführer der bayerischen Ziegelindustrie, sei die einseitige staatliche Förderung der Holzsystembauweise grob wettbewerbsverzerrend. Zudem werde in der Öffentlichkeit viel zu wenig darüber informiert, dass es sich bei Holzsystembauweisen um Leichtkonstruktionen handelt. Der Holzanteil beträgt lediglich knapp 20 %. Überwiegend verwendete Materialien sind meist verleimte Spanplatten, kunstharz- oder chemisch gebundene Dämmstoffe, Kunststoff-Folien sowie Klebe-, Dichtungs- und Anstrichstoffe, die schichtweise zusammengesetzt würden. Dass bei solchen Konstruktionen im Vergleich zu massiv gebauten Häusern auch nur ein deutlich geringerer Brand- und Schallschutz erreicht werde, liege auf der Hand. Zudem sei der geforderte Wärmeschutz ausschließlich bei absolut winddichten Wandkonstruktionen sicherzustellen, also nur dann, wenn keine der zum Teil empfindlichen Bauteilschichten beschädigt wurde.

Es sei daher bei jedem Bauwerk zu prüfen, so die Forderung des Ziegelforums, "welchen Gebäude- und vor allem Wohnwert die vorgesehene Bauweise auf Dauer gewährleisten kann und soll, ehe vordergründig niedrigst kalkulierte Baukosten zum alleinigen Maßstab einer Bauentscheidung werden". Nicht verschwiegen werden dürfte auch die höhere Umweltbelastung durch Versiegelung als Folge der bei Holzsystembauten notwendigen Überbauungen für Kellerersatzräume.


Dass es auch anders geht zeigt unser Faltblatt zu diesem Thema "Preiswertes Bauen - keine Frage der Bauweise". Hier wird ein Bauvorhaben der Stadt Lindau beschrieben, bei dem der Bau von Sozialwohnungen in Massivbauweise mit Kosten von lediglich 1.600 DM pro Quadratmeter realisiert wurde.
Quelle: Ziegelforum e.V.  | München  | 2001