Bauen im Dialog: Die Mauerwerkstage 2026 als Kompass für die Branche
Zwischen Wohnungsnot und Klimaresilienz – Wie monolithisches Bauen die Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit liefert.
Dachau, 02. März 2026 –
Die Baubranche steht am Scheideweg. Während der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum massiv steigt, ziehen die regulatorischen Daumenschrauben der EU und die klimatischen Herausforderungen unaufhaltsam an. Die Mauerwerkstage 2026, die unter dem Leitmotiv „Zukunft gestalten – Bauen im Dialog“ stattfanden, erwiesen sich hierbei als weit mehr als eine reine Informationsveranstaltung. Mit knapp 500 Teilnehmern boten sie eine hochkarätige Plattform, auf der Theorie und Praxis zu einer echten Lösungsstrategie verschmolzen – durch intensiven Austausch mit Referenten, Ausstellern und Gleichgesinnten.
Der Druck im Kessel: 1,4 Millionen fehlende Wohnungen
Den Auftakt machte Dipl.-Ökonom Matthias Günther vom Pestel-Institut mit einer nüchternen, aber alarmierenden Analyse: Ende 2024 klafft in Deutschland eine Lücke von 1,4 Millionen Wohnungen (ohne Langzeitleerstand). Bis 2030 müssten jährlich rund 405.000 Einheiten entstehen, um den Bedarf zu decken – ein Ziel, das vor allem in Hotspots wie Bayern (233.000 fehlende Wohnungen) ohne skalierbare und wirtschaftliche Konzepte kaum erreichbar scheint. Mauerwerk bietet hier als bewährter, langlebiger Baustoff die notwendige Basis für den sozialen und privaten Wohnungsbau.
Regulatorik mit Augenmaß: Wohnen statt bloßes Sparen
Wie sich dieser Neubau mit den Anforderungen der neuen EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) – Solarpflicht ab 2027, Nullemissionsgebäude ab 2030 und einem GWP ≤ 24 kg CO₂eq/m²a – in Einklang bringen lässt, erläuterte Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm (FIW München). Sein Plädoyer: „Wir bauen um darin zu Wohnen, zu leben, zu lernen und zu arbeiten, nicht um Energie oder CO₂ einzusparen.“ Während die Politik oft auf immer extremere Dämmstandards schielt, betonte Holm die Bedeutung von Erneuerbaren Energien und realistischen EH55-Standards. Er wies darauf hin, dass es CO₂-mäßig egal ist, wie gut das Haus gedämmt ist, wenn man mit erneuerbaren Energiequellen arbeitet, aber für die Heizlast und Kosten macht es einen gewaltigen Unterschied! Seine Mahnung blieb hängen: Das kommende Gebäude-Modernisierungsgesetz gleiche aktuell noch einer „verschneiten Glaskugel“, weshalb Planungssicherheit durch robuste Bauweisen umso wichtiger werde.
Die Kunst des Weglassens: Effizienz in der Bauphysik
Dass Wirtschaftlichkeit bereits am Reißbrett beginnt, unterstrich Dipl.-Ing. Stefan Horschler. Sein Rezept für bezahlbares Bauen: Kompakte Baukörper und ein optimiertes Fenster-zu-Wand-Verhältnis (Kostenverhältnis 2:1). Horschlers Appell „Zusammenpacken, was zusammengepackt werden kann“ richtete sich dabei nicht nur gegen eine überladene Bauphysik, sondern auch gegen die bürokratische Überregulierung: „Es braucht keine 16 Klimaschutzgesetze in Deutschland, sondern eines, das funktioniert.“
Ergänzend dazu beleuchtete Christian Sailer die Vorteile des Massivbaus bei Schadensereignissen Seine Analyse zeigte: Im Falle eines Wasserschadens ist die Sanierung im Ziegelbau um das Drei- bis Fünffache günstiger als im Holzbau – ein gewichtiges Argument für die langfristige Wirtschaftlichkeit und die Lebenszykluskosten. Dass diese Einschätzung auf einer objektiven Materialprüfung beruht, unterstreicht Sailers persönlicher Hintergrund: Als gelernter Zimmermann der privat in einem Holzhaus lebt, verfügt er über ein tiefes Verständnis für verschiedene Bauweisen. Sein Plädoyer für den Massivbau im Wohnungsbau folgt daher rein bautechnischen und ökonomischen Fakten, die den Ziegel als robuste Lösung für die aktuelle Bauaufgabe bestätigen.
Klimaresilienz und Kreislaufwirtschaft
Den Bogen zur Ökologie spannten Dipl.-Met. Lothar Bock bzw. René Kist (DWD; Regionales Klimabüro München) gemeinsam mit Michael Lorek und Claus Dillinger (Hörl+Hartmann) sowie Thomas Maucher (Ziegelwerk Bellenberg). Angesichts einer Erwärmung von +2,5 °C seit 1881 und einer Vervierfachung der Hitzetage seit 1950 erweist sich Mauerwerk durch seine thermische Masse als entscheidender natürlicher Puffer. Dabei wurde aufgezeigt, dass der Ziegel in Sachen Kreislauffähigkeit (90 % Recyclingquote) und einer CO₂-optimierten Produktion (100 % Eigenstrom) bereits heute die LCA-Anforderungen der Zukunft erfüllt – an manchen Standorten wertvoll ergänzt um die Perspektive eines klimabewussten Nutzerverhaltens.
Fazit:
Die Mauerwerkstage 2026 haben gezeigt: Zwischen Wohnungsnot, regulatorischem Druck und Extremwetter entsteht durch offenen Dialog der Kompass für nachhaltiges, wirtschaftliches Bauen. Wer dieses Jahr nicht dabei war, hat wertvolle Impulse für die tägliche Planungspraxis verpasst. Die Veranstaltung war organisatorisch wie inhaltlich ein voller Erfolg – ein Pflichttermin, den man sich für 2027 definitiv vormerken sollte.


















